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Manchmal ist ein Tier der letzte soziale Kontakt - gerade für ältere Menschen oft der einzige Grund Verantwortung zu übernehmen und noch vor die Tür zu gehen. Ein Tier ist manchmal der letzte Schutz vor sozialer Vereinsamung, der beste Freund, der einzige Ansprechpartner - kurz gesagt: Ein Haustier ist manchmal nicht nur Familienmitglied - sondern sogar Familienersatz.
Um diese Beziehung zwischen Mensch und Tier auch in schwierigen Situationen wie Krankheit, Altersarmut, Obdachlosigkeit oder Hartz IV, zu erhalten, wurde im Oktober 2006 die Tiertafel Deutschland e.V. von Claudia Hollm in Rathenow gegründet.
"Ich habe damals einen Bericht über eine Familie gesehen, in der der Vater nach einem Unfall arbeitslos wurde. Das Geld reichte hinten und vorne nicht mehr und es musste die Entscheidung getroffen werden, den Familien-Hund ins Tierheim zu geben. Die ganze Familie war todtraurig, der Hund fraß kaum im Tierheim - und starb nach kurzer Zeit. Da dachte ich mir: So etwas darf nicht sein!" sagt Claudia Hollm, Vorstand der Tiertafel Deutschland e.V.
Also schrieb Claudia Hollm Futtermittelhersteller an, sammelte bei Privatleuten Futter und stellte schnell fest: "Nur Dosen weiter geben hilft nicht." Also entwickelte sie ein Konzept, mit dem Tieren und ihren Haltern langfristig und vernünftig geholfen werden kann.
Deshalb versorgt die Tiertafel Deutschland e.V. ihre Kunden auch nicht nur mit Tierfutter, sondern versucht auch mit Fachleuten die Beziehung zwischen Mensch und Tier zu verbessern und so nicht nur für eine artgerechte Ernährung, sondern auch für eine artgerechte Haltung zu sorgen. Der Verein arbeitet daher u.a. aktiv mit Tiertrainern, Hundefrisören und anderen Tierschutz-Vereinen zusammen. Auch Kontakte zu Tierärzten die den einfachen Satz nehmen oder Ratenzahlungen akzeptieren werden wenn möglich vermittelt.
Inzwischen gibt es deutschlandweit 23 Ausgabestellen, die alle ehrenamtlich betrieben werden und sich wie der gesamte Verein ausschließlich durch Spenden (Sach-/Futter- und Geldspenden) von Futtermittelherstellern und Privatleuten finanzieren.
Einmal die Woche können nachweisbar bedürftige Tierhalter Tierfutter, Leckerlies und Zubehör für ihre Tiere (Hunde, Katzen, Kaninchen, Vögel etc.) abholen.
Das von den Ehrenamtlichen verteilte Futter reicht bewusst für 4-5 Tage, denn die Tiertafel Deutschland e.V. übernimmt nicht die komplette Verantwortung für das Haustier, sondern unterstützt - gibt also Hilfe zur Selbsthilfe. Die Tiertafel Deutschland e.V. unterstützt darüber hinaus keine neuangeschafften Tiere, sondern lediglich Tiere, die bereits vor der finanziellen Notlage in der Familie gelebt haben. "Sich in einer finanziellen Notlage noch ein Tier anschaffen, ist dem Tier gegenüber unverantwortlich. Selbst, wenn dies oft aus den besten Gründen passiert." so Hollm. Außerdem unterstützt der Verein maximal zwei Tiere pro Tierart und maximal vier Tiere pro Haushalt, u.a. um dem Animal Hoarding vorzubeugen.
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"Denn aktiver Tierschutz führt immer über den Menschen, der ein Tier hält" - da sind sich Claudia Hollm und Michaela Köhler, Leitung der Münchner Tiertafelausgabestelle einig.
Im Januar 2008 konnte auch in München eine Ausgabestelle der Tiertafel Deutschland e.V. eröffnet werden, damals in einer Hotel-Tiefgarage. Nach Beschwerden der Anwohner musste der Verein jedoch bereits im Mai 2008 leider die Tiefgarage verlassen und fand nur eine kurzfristige Übergangslösung in Berg am Laim. Zu dieser Zeit versorgte die Tiertafel-Ausgabestelle München über 500 Kunden mit knapp 1.200 Tieren - d.h. pro Woche ging eine halbe Tonne Futter über den Tresen.
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Am 28. August 2008 wurde die Ausgabe München dann geschlossen und konnte erst ein Jahr später, nach einer verzweifelten Suche, am 28. August 2009 in München-Sendling wieder eröffnet werden.
"Es war unsagbar schwierig etwas passendes zu finden" so Köhler. "Ebenerdig - wegen den älteren und gehbehinderten Kunden, zentral gelegen mit guter Verkehrsanbindung - da die wenigsten unserer Kunden ein Auto haben, nicht wieder im reinen Wohngebiet und das ganze bezahlbar, da wir uns wirklich ausschließlich durch Spenden finanzieren. Und natürlich gebe ich lieber 500 Euro im Monat für Tierarztkosten-Zuschüsse aus - als für die Miete. Diese Kombination in München zu finden war fast unmöglich."
Vor allem durch das Engagement von Susanne Ebner, der Redakteurin von "Zeit für Tiere" (Bayrischer Rundfunk), entstand dann im Juni 2009 der Kontakt zur Deutschen Bahn - die nun die neuen Räume für eine kleine Miete zur Verfügung stellt.
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"Unser Team hat 2 Wochen lang täglich zwischen 10 und 14 Stunden Putz von den Wänden geschlagen, Unkraut gezupft, Bäume beschnitten, Schimmel entfernt, Wasserrohrbrüche überstanden, gestrichen, geputzt - und das natürlich auch alles ehrenamtlich. Bis zwei Tage vor der Eröffnung hätte ich nicht gedacht, dass wir es wirklich schaffen" erklärt Michaela Köhler.
Doch sie haben es geschafft: Die Räume sind sauber, schön und gemütlich, orange Pfotenabdrücke an den Wänden weisen Kunden und Besucher den Weg durch die Ausgabestelle und die Lager sind gefüllt. Auch wenn das derzeit gelagerte Futter nur für 2 Monate reicht. "Bei wöchentlich aktuell 200 Kunden in unserer Kartei wird das Lager viel schneller leer als uns lieb ist. |
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Zusätzlich haben wir momentan 20 Neuanmeldungen pro Samstag - da hilft uns wirklich jede Spende weiter. Egal ob Leine, Körbchen, Katzentoilette (gerne auch gebraucht), ein Sack Trockenfutter oder eine Dose Nassfutter, unsere zwei- und vierbeinigen Kunden freuen sich über alles."
Auch in der Ausgabestelle München wird nicht nur Futter weitergegeben: "Der wahrscheinlich wichtigste Teil unserer Arbeit ist beraten und einfach ein offenes Ohr haben. Es kommt zum Beispiel jeden Samstag eine alte Dame, die bei uns Brotzeit macht und einfach nur ein bisschen unter Leuten sein will. Außerdem haben wir einmal im Monat einen Hundefrisör und eine Hundetrainerin vor Ort - die sich kostenlos um die Probleme unserer Kunden kümmern." so Köhler.
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